Das Gespräch – die Sandkiste – die Alternative

Gespräch

Welch grundlegend essentielles Missverstehen, welch perfider Kunstgriff des Verstandes:

„Durch das Reden kommen die Leut‘ zsamm“
„Mit meinen Mitmenschen möchte ich lange, tiefgehende Gespräche führen, damit unsere Beziehung auch tiefer wird, wir uns gemeinsam weiterentwickeln“

Was für ein Unfug … welch Verschwendung von Lebensenergie … noch viel mehr bei Wutreden, Streitgesprächen und ähnlichem.

Gespräche bringen niemanden dauerhaft weiter (wann hatte z.B. ein „Friedensgespräch“ schon nachhaltigen Erfolg?) … in die Tiefe führt uns nur Stille, die wir z.B. durch Meditation praktizieren können.

Nur das Ego verständigt sich über Gespräche, nur das Ego kennt das Wort. Ein Gespräch, eine Diskussion ist das Spiel zweier oder mehr Egos … und es kann sehr schnell aus dem Ruder laufen. Das Ego hat die Angewohnheit, gewinnen zu wollen, besser zu sein, damit meint es existieren und überleben zu können, verwendet als Werkzeuge dann auch schon einmal Emotionen wie Angst.

Es bläht und bläht sich immer weiter auf und es nährt sich an Emotionen wie Neid, Angst, Missgunst.

Ich lese gerade die Biografie von Cicero, „ein grosser Redner und Politiker“ im Alten Rom. Wir kennen viele seiner Zitate, z.B. „Cui bono – Wem nutzt es?“ Das ist eine gute Frage.

Was für ein Ego unseren Cicero angetrieben hat! Permanent war er in Kleinkriege mit anderen Egos verwickelt, z.B. Julius Cäsar. Am Ende wurde ihm die Luft rausgelassen (wie z.B. auch dem Cäsar und vielen anderen angesehenen Egos unserer „Geschichte“).

Ist nun das Ego etwas Böses?

Aber NEIN doch!

Es ist ein Werkzeug, es darf uns ein Stück des Weges begleiten, aber es soll uns nie antreiben. Wir dürfen es immer achtsam, bewusst einsetzen und uns permanent selbst dabei beobachten.

Mit dem Ego erreichen wir 99,99999999999999…, jedoch niemals 100. Bei 100 beginnt jedoch das Wahre Leben, jenseits von Ego und seinem Kumpan, seiner Quelle, dem Verstand.

All die grossen Wissenschaftler, das ganze Leben haben sie geforscht, sind ihren „Lebenszielen“ so nahe gekommen (99,9999999…), aber sind dann doch zumeist gescheitert, am Ego…zurück an den Start, nächster Versuch… gleiche Seele, neuer Körper, neuer Geist …

Wir beschleunigen Teilchen, super!(?) … doch wer wir sind, was in uns drinnen ist, wie Seele, Geist und Körper interagieren, davon haben wir keine Ahnung, wir begreifen es nicht. Der Verstand kann es nicht begreifen.

Zurück zum Gespräch …

… wir reden also, wir diskutieren. Wir sitzen – lass uns dieses Beispiel wählen – in der Sandkiste, unser Küberl in der Hand und wir bauen Sandburgen, meist jeder für sich. Manchmal helfen wir dem anderen, doch immer wieder schmeissen wir ihm Sand ins Gesicht, damit er behindert ist und wir im Vorteil sind, unsere Burg schneller wächst – ein Bild für ein Gespräch.

Das sind die Spielchen des Ego.

Die Sandkiste ist begrenzt (oder auch der Strand), wie auch der Horizont eines Gespräches. Irgendwann beginnen wir uns im Kreise zu drehen, geht gar nicht anders. Es gehen uns die Worte aus, wir haben sie schon mal verwendet, der andere hört sie schon gar nicht mehr. Wir kommen nicht mehr weiter, suchen den „Kompromiss“, erzielen eine „Einigung“. Noch so ein Unfug… Sackgasse. Der Verstand hat es geschafft, die Grenze ist gezogen…wir sind eingesperrt.

Bla Bla Bla … genug der Worte! Da hilft uns auch der Kommunikationstrainer nicht mehr raus! Auch er lebt vom Wort.

Nur noch das Wortlose bringt uns weiter, das bewusste Schweigen, die Meditation – der Weg zum Selbst…dort liegen meine individuellen Lösungen und AntWORTen, ohne Worte …

Nun stell dir einmal die Politik vor, die grösste Ego-Spielwiese von allen … nur mehr Schweigen … sie verliert jede Bedeutung, welch Illusion hier offenbart wird.

Sollen wir nun nur noch Schweigen, nur noch meditieren?

NEIN, manchmal wollen wir doch spielen…dann spielen wir doch, ganz bewusst und plaudern, tauschen wir uns aus … aber ohne jede Erwartung …

 

Satsang

… und dann gibt es noch wunderbare Dinge wie den Satsang, eine östliche Form der Kommunikation, der langsam seinen Weg in den Westen findet. Ein „Lehrer“ sitzt mit einer Gruppe von Menschen beisammen, teilt seine Erfahrungen mit ihnen. Die Gruppe schweigt. Es geht um das Teilen, nicht um das Belehren. Das Ego spielt nicht mit. Die Menschen hören achtsam und bewusst zu.

Später gibt der Lehrer den Raum mit einem Satz frei, wie etwas: „Gibt es Fragen?“. Dann können Fragen gestellt werden. Der Lehrer antwortet aus eigener Erfahrung, ausschliesslich. Das macht den wahren Lehrer aus … und es steht ihm auch ganz frei zu sagen: „Ich weiss es nicht!“ (getrennt vom Ego).

Es entsteht daraus kein Gespräch, keine Diskussion. Darum geht es nicht. Es gibt keine Vergleiche, keine Belehrungen … nur gemeinsames Sein, Innenschau, ganz achtsam…

…eine ganz neue Qualität der Kommunikation.

No comments

Comments are closed.