Eine Achtsamkeitsübung unserer Zeit – nach Snowden

… Der Achtsame und Bewusste Umgang mit der Informationstechnologie oder Wie ein Fluss fliesst (oder versiegt)

Wir haben uns letztens den Film „Snowden“ von Oliver Stone angesehen. Der Film ist handwerklich ausgezeichnet gemacht, spannend und unterhaltsam, ohne Pathos oder Effekthascherei.

Das ist bei dem Thema auch gar nicht notwendig, es steht für sich, es genügt eine Sichtweise auf die Tatsachen zu bringen.

Ich bin Meditations-/Achtsamkeitslehrer und begleite auch Menschen bei Projekten im IT-Umfeld, lege einen Schwerpunkt auf den Achtsamen Umgang mit dieser IT. Aus diesem Gesichtspunkt war dieser Film natürlich von einigem Interesse für mich. Edward Snowden machte einen Prozess durch – als  Teil des IT-Systems – er begann zu hinterfragen, wie weit man gehen kann, wenn man die Achtsamkeit und die Bewussheit seines Tuns hinter sich gelassen hat … er hat etwas getan, er hat aufgedeckt, es war seine Entscheidung und ich möchte hier auch gar nicht eine Meinung über die Art und Weise kundtun, wie er es getan hat. Es war sein Tun und er lebt seine Konsequenz.

Es geht darum, was wir mit den Möglichkeiten tun, die uns die Informationstechnologie gibt … und zwar ab dem Zeitpunkt, an dem wir ins Aussen gehen – also ins World Wide Web.

Denn eines darf uns klar sein – sobald wir bei einer PC-Installation, bei der Einrichtung eines Tablets/Smartphones auf „Mit dem Internet verbinden“ klicken haben wir uns geöffnet und sind gläsern. Dieses IT-System „Internet“ ist bereits so weit fortgeschritten, der Fluss ist bereits so reissend, dass wir sofort mitgerissen werden. Kein Gesetz wird diesen Fluss stoppen. „Das Werkl rennt bereits“ …

Wir haben diesen Fluss beschleunigt und tun es weiter, mit jeder E-Mail, mit jeder SMS, die wir schicken … und mit jeder persönlichen oder anderen Befindlichkeit, die wir in sozialen Netzwerken posten.

Snowden

… und es gibt „DIE“ da draussen … „DIE“ sind all jene, die aus unseren Informationen einen Nutzen ziehen, in welcher Form auch immer. Nun … entwickelt hat sich vor allem eine Gesellschaft – eine Gruppe von „DIE“ – die einen wirtschaftlichen Nutzen daraus zieht (oft hinter einer Projektion versteckt, die Angst machen soll, um zu verschleiern – z.B. eine Gefahr für das persönliche Leben), das einzelne Individuum spielt da keine Rolle mehr … warum auch? Das sind Daten, die freiwillig gegeben wurden.

… und „DIE“ wird immer eine Instanz finden, die den Fluss am Fliessen hält.

Manche werden sich fragen: nun, was wollen „die“ nun gerade von mir? Was geht mich das an?

Nun: es geht hier nicht um Personen, es geht um Inhalte, um Daten … es wird nach Inhalten gesucht. Erst wenn ein Inhalt gefunden ist, wird nach der Person geschaut, die diese Inhalte verfasst hat … und da genügt auch schon ein weiterleiten, ein Teilen … und dann geht es um alle Personen, die mit dieser Personen in Kontakt stehen, die einen Inhalt verfasst oder weitergegeben hat.

Im Film Snowden wird das visuell sehr ansprechend dargestellt, aus einem Inhalt kann schon einmal eine grosse Anzahl von Personen werden, die mit diesem Inhalt in Zusammenhang gebracht werden.

Ja – was kann „man“ nun tun?

Ich darf für mich entscheiden, ob es für mich relevant ist, dass freier Zugang auf alle Daten besteht, die ich ins Internet stelle. Ist es mir „eins“, ist es mir „egal“, dann hat es keine Relevanz mehr … und sehe ich mir den Film Snowden an, habe ich im besten Fall einen unterhaltsamen Film gesehen …

Möchte ich verändern – in Achtsamkeit – darf ich mir die Frage stellen, wie verlangsame ich den Fluss oder wie lasse ich ihn versiegen.

Der Fluss lebt von Wasser und unser Wasser sind hier die Daten, die Inhalte.

Je weniger Inhalte ich bewusst im Aussen/im Internet zur Verfügung stelle, desto weniger Wasser führt der Fluss … ich kann hier also etwas tun …

Dann gibt es noch die unbewussten Inhalte … das sind jene Inhalte, die ich verschicke, ohne das ich es weiss … und das passiert laufend. Schaut euch mal an, wie viele Daten Ihr so von eurem PC oder eurem Smartphone versendet … oder von einem der neuen Fitnessarmbänder. Ich meine jetzt nicht die monatliche Abrechnung, die ihr von eurem Provider/Internet-Anbieter erhält, sondern direkt am Gerät …

Nehmt dieses Gerät einmal „vom (Inter)Netz“ und schaut wie lange es noch funktioniert, bis eine Internet-Verbindung verlangt wird, um weiterzumachen (oder die Installation eines Updates verlangt, wird das unbedingt gemacht werden MUSS).

Es darf auch im Spüren beginnen, im Intuitiven Spüren, was sagt euch eure Intuition, bevor sich ein Verstand einschaltet.

Es beginnt in uns … wir geben die Daten, die den Fluss am Laufen erhalten.

Was tue ich? Ich habe aus reiner Neugier und Interesse ein kleines Projekt gestartet: ich installiere auf einem Laptop eine neue Arbeitsumgebung, eine Arbeitsumgebung, die kein Internet benötigt (mit Ausnahme: ich möchte das ausdrücklich). Ich bin neugierig, wie weit ich hier in der Geschichte der Betriebssysteme zurückgehen muss … ich vermute Windows 95, oder sogar ein DOS-Betriebssystem – in einer Zeit in der wir noch die Kontrolle über unsere PCs hatten, in der es Updates max. in Computer-Zeitschriften auf den Beilagen-CDs gab (oder nach Anfrage beim Hersteller), trotzdem konnten wir unsere Tätigkeiten verrichten. Wer kann sich daran noch erinnern? 😉 … Ich halte über den Fortschritt dieses Projektes an dieser Stelle am Laufenden …

#dieachtsamearbeitsumgebung

Wolfgang Maranius Lugmayr – Dipl. Meditations- und Achtsamkeitslehrer (mit IT-Vergangenheit)

Bildquelle: Unsplash

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