Rauhnächte und die Monate

Rauhnächte und die Monate

In Kürze beginnen die Rauhnächte, gemeinsam mit den vorhergehenden Sperrnächten ein wunderschöner und vor allem uralter Brauch der Kelten.

Die Sperrnächte beginnen am 8. und dauern bis 20.Dezember, bis unmittelbar vor die Wintersonnenwende, die den kürzesten Tag und längste Nacht markiert. Am 25.12. beginnen dann die 12 Rauhnächte.

Warum gerade die Nächte? Nun … in meinem Empfinden dient das Licht des Tages vorrangig dem Tun und die Dunkelheit der Nacht der Innenschau … es gibt hier natürlich auch eine Vielzahl anderer Erklärungsmöglichkeiten.

Während die Sperrnächte dem Loslassen von Altem dienen (jede Nacht etwas Anderes), dürfen wir die Rauhnächte der Manifestation von Neuem widmen (wieder jede Nacht etwas Anders). Die Wintersonnenwende markiert den Neubeginn – die Dunkelheit beginnt wieder zurückzuweichen.

Um einen Anker/einen Denkanstoss dafür zu haben, was wir gerne loslassen und neu beginnen möchten … dient die Zahl 12 … diese wurden später gerne den 12 Aposteln des christlichen Glaubens zugeordnet, jedoch noch viel öfter den Monaten des Jahres … was also habe ich im vergangenen Januar erlebt, das ich loslassen möchte und was möchte ich im nächsten Januar angehen … wofür steht dieser Monat für mich … usw. …

Nun … ein wunderbarer Ansatz … jedoch ist dieser Brauch sehr alt, älter als unser aktueller Kalender mit den Monaten, wie wir sie kennen und nennen.

In meinem Empfinden blockieren wir uns mit diesem Ansatz möglicherweise bzw. bauen Mauern auf, wo keine sein müssten …

… deswegen ein alternativer Ansatz.

Sehen wir uns einmal die aktuellen Monate an und Entsprechungen aus verschiedenen Kulturen im europäischen Raum:

Januar – Hartung, Eismond
Februar – Hornung, Schmelzmond
März – Lenzing, Lenzmond
April – Launing, Ostermond
Mai – Winnemind (Wonnemonat)
Juni – Brachet, Brachmond
Juli – Heuret, Heumond
August – Ernting (Ernte), Bisemond … im Römischen Kalender auch Sexrilis (der 6. Monat)
September – Scheidling, Herbstmond … von Septem: der 7. Monat
Oktober – Gilbhart, Weinmond … Octo: der 8. Monat
November – Nebelung, Nebelmond … Novem: der 9. Monat
Dezember – Julmond, Dustermond, Heilmond … Decem = der 10. Monat

 

Der Ursprung der Monate ging offensichtlich auf Beobachtungen der Natur zurück und was in dieser Zeit gerade passiert, z.B. im Ackerbau und der Landwirtschaft … auch der Mond spielte eine bedeutende Rolle (dazu auch: Mond – Monad – Monat).

Die Römer übernahmen diese Namen zum Teil und schufen erstmals eine dokumentierten Kalender … und sie ordneten die Monate zum Teil um – z.B. den August aus Aberglauben im Zusammenhang mit Numerologie und Astrologie. Sie gaben den Monaten neue Namen, um damit ihre bedeutenden Persönlichkeiten zu würdigen … z.B. Augustus und Julius (Cäsar). Sie begannen ihren Kalender ursprünglich in einem Zeitraum, den wir heute März nennen … den Nachweis finden wir heute noch in den Bezeichnungen. Erst mit dem Christentum und den damit verbundenen Bräuchen änderte sich der Jahresbeginn.

Bei den Kelten begann das Jahr in einer Zeit, in der die Natur zu ruhen begann und die Nebel aufzogen, wir nennen es heute November … damit das Jahr in Ruhe beginnen konnte, in einer Zeit der Dunkelheit … in dieser Zeit hatte man ausreichend Zeit, Pläne für das neue Jahr zu schmieden.

Somit bekommt auch der Zeitpunkt der Sperr- und Rauhnächte neue Relevanz … diese standen nicht am ENDE eines Jahres, sondern am ANFANG. Diese Tatsache ändert in mein Empfinden die ursprüngliche Bedeutung dieser Nächte. BEIDES, das Loslassen und der Neubeginn geschah bereits im neuen Jahr, in einer neuen Energie.

All das dürfen wir berücksichtigen, wenn wir die uralte Tradition der Rauh- und Sperrnächte betrachten.

In meinem Empfinden können wir die Sperr- und Rauhnächte auch direkt Themen, Erlebnissen und Erfahrungen – ohne direkten Bezug zu einem Monatsnamen – zuordnen wie sie gerade da sind und uns dann einspüren, was hier gerade rund um uns herum passiert ist und manifestieren, was im nächsten Jahr passieren darf … in und mit der Natur, mit der wir ja permanent verbunden sind.

 

Wie auch immer du sie zelebriert, ich wünsche dir viel Freude bei den Sperr- und Rauhnächten!

 

Ethik und ImpressumWolfgang Maranius Lugmayr ist Dipl. Meditations-/Achtsamkeitslehrer, Autor. Er berät bei Fragen zur Achtsamen Verwendung der Informationstechnologie und ist Spiritueller Begleiter. Er wohnt in Ottensheim/Oberes Mühlviertel … einer Gegend, die vor ca. 2000 Jahren ein Schmelztiegel von germanischer, römischer und keltischer Kultur war – diese Energie ist noch heute zu spüren.

 

 

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