Das Folivora (Faultier) und die Achtsamkeit

Faultier und Achtsamkeit

Das Folivora lebt Achtsamkeit pur. Es lebt möglichst kraft- und energiesparend, schläft den Grossteil des Tages, bewegt sich langsam und bewusst, um genügend Kraft- und Energiereserven für seinen Lebenszweck zu haben: das Fressen von Laub (und gelegentlich die Fortpflanzung). Es ist auf den bewussten Zweck seines Lebens fokussiert.

Die Tiere sind im Regenwald Süd- und Mittelamerikas beheimatet, leben auf Bäumen und ist ein Baum leergefressen, ziehen sie zum Nächsten weiter. Ist dieser Baum nicht über Geäst erreichbar, bleibt zumeist nur der Umweg über das Wasser oder den Boden, auf dem sie aber aufgrund ihres Körperbaues sehr unbeholfen sind. Sie sind gute Schwimmer und Kletterer, dennoch ist die Reise auf den nächsten Baum zumeist ein Kraftakt, darum gilt es Energie zu sparen … durch generell möglichst langsame Bewegungen und ausgedehnte Ruhezeiten.

Achtsamkeit bedeutet nichts anderes als das Leben im Moment zum Zweck des eigenen Wohlbefindens. Es geht bei Achtsamkeit immer um einen Selbst. Geht es mir gut, dann ist das auch gut für meine Umwelt. Ich strahle mein Wohlbefinden aus, alles ist Eins.

Ich brauche mir mein Wohlbefinden auch nicht zu verdienen, es ist mein einziger wahrer Lebenszweck. Das ist Achtsamkeit.

Nur leben wir selten wirklich achtsam. Die Furcht, dem Aussen nicht zu entsprechen, ist uns wichtiger als unsere Innere Ausgeglichenheit. Wir müssen etwas leisten, damit es uns gutgehen darf („Das habe ich mir aber verdient!“). Das Folivora hat im Deutschen nun den Namen „Faultier“ bekommen, weil es in der deutschsprachigen Kultur (Anmerkung: im Englischen heisst das Tier Sloth, eine wesentlich neutralere Bezeichnung … für den scheinbar faulen Menschen gibt es die Bezeichnung „lazybones) der allgemeinen Vorstellung, wie man sich in der heutigen Gesellschaft zu verhalten hat, nicht entspricht. Es lebt nur für das Fressen und die Liebe, schläft andauernd und bewegt sich langsam … das ist Faulheit, das geht gar nicht.

Ich habe 46 Jahre in einer Stadt gelebt. Dann zog ich „auf das Land“ in einen kleinen Ort mit nicht einmal 5.000 Einwohnern. Das erste was mir auffiel war das reduzierte Tempo, in den Gassen, in den Geschäften und Lokalen, alles ging etwas langsamer vor sich und das war großartig. Ich passte mich schnell an diesen Lebensrhytmus an.

Komme ich heute in die Stadt, merke ich sofort wieder das höhere Tempo. Die Menschen überholen mich beim Gehen ständig und immer wieder werde ich angerempelt, „wenn ich im Weg bin“. Die ganze Stadt scheint es eilig zu haben, ist ständig unter Druck und man bemerkt es als Teil der Stadt nicht einmal mehr … bis man sich nicht mehr wohlfühlt, man ausbrennt. Man ist permanent Mitläufer, um das Tempo zu halten. Man verliert Energie, die dann für die tatsächlichen Aufgaben im Leben fehlt.

Klar, wir sind Mensch und nicht Tier, wir haben Intellekt und dieser treibt uns scheinbar an, der übrigen Natur immer einen Schritt voraus zu sein … immer zu TUN. Doch soll dies auf Kosten unseres Wohlbefindens passieren? Ist DAS Intellekt? Sollen wir deswegen auf ein Achtsameres Leben verzichten … in Wohlbefinden?

Das Faultier und die Achtsamkeit – Darum lieber Mensch, mein Rat: lebe öfter mal wie ein Faultier, das ist gut für dein eigenes Wohlbefinden … und auch für das deiner Umwelt! Sei einfach!

 

Photo by Sebastian Molinares on Unsplash – Thank you!

 

Wolfgang Lugmayr ist Dipl. Meditations-/Achtsamkeitslehrer und Autor. Er unterstützt Menschen auf dem Weg zu ihren tatsächlichen Talenten, Möglichkeiten und Aufgaben … zu sich SELBST. Weiters berät er bei Fragen zur Achtsamen Verwendung der Informationstechnologie.

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